19.08.2020

Große schützen Kleine - August 2020

Pressemitteilung – 18. August 2020

Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE befürchtet Häufung an Schulwegunfällen im Herbst

Coronabedingt gab es seit März keinen geregelten Schulbetrieb. Somit hatten die meisten Kinder in den letzten Monaten nur wenig Verkehrsroutine und -übung.  Außerdem ist das Verkehrsaufkommen erhöht, denn viele Menschen ziehen aus Angst vor dem Virus nach wie vor den eigenen Pkw den Öffis vor. Heuer ist es deshalb wichtiger denn je, den sicheren Schulweg mit den Kindern rechtzeitig zu üben und sie an den ersten Tagen bis Wochen zu begleiten. Ganz „abnehmen“ sollten Eltern ihren Kindern den Schulweg aber nicht, rät der Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE. Denn „Elterntaxis bis ins Klassenzimmer“ sind kontraproduktiv für Verkehrssicherheit und Selbstständigkeit des Nachwuchses.

Schulweg üben und Ablenkungen vermeiden

Laut Statistik Austria verunfallen in Österreich jährlich knapp 600 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 15 Jahren zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Moped auf dem Schulweg (2018: 610 verletzte und 0 getötete Kinder / 2019: 576 verletzte und 4 getötete Kinder). „Zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen gehört es, als AutolenkerIn Ablenkungen jeglicher Art zu vermeiden und als Eltern den sicheren Schulweg immer wieder mit ihrem Kind zu üben“, betont Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Präsident des Vereins GROSSE SCHÜTZEN KLEINE und Vorstand der Grazer Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie.

Der Schulweg sollte möglichst sicher gewählt (kleinere Umwege unbedingt der Sicherheit zuliebe in Kauf nehmen!) und immer wieder gemeinsam geübt werden. Und zwar nicht nur mit den SchulanfängerInnen, sondern auch mit älteren Volksschulkindern und den 10-Jährigen, die ins Gymnasium bzw. in die Neue Mittelschule wechseln. Denn auch wenn der Weg nicht neu ist: erstens wird über die Ferien viel vergessen, zweitens haben sich oft wichtige Punkte verändert, drittens ist die vermeintliche Routine oft trügerisch. Eltern von SchulanfängerInnen sollten sich, gemeinsam mit dem Nachwuchs, am besten schon in den letzten Ferienwochen ausführlich mit dem sichersten Schulweg befassen.

„Eine signifikante Steigerung der Verkehrskompetenz erfolgt erst in der Altersgruppe der 10jährigen. Hier können die Kinder sichere und unsichere Verkehrssituationen recht gut einschätzen – dennoch darf man von keiner hundertprozentigen Sicherheit ausgehen: eine von vier gefährlichen Verkehrssituationen wird auch noch in diesem Alter falsch interpretiert“, warnt Dr. Peter Spitzer, Generalsekretär von GROSSE SCHÜTZEN KLEINE.

„Elterntaxis“ als Gefahr vor Schulen

Die Anzahl der Kinder, die zu Fuß zur Schule gehen, nimmt schon seit Jahren ab. Gerade vor Volksschulen sind kurz vor Schulbeginn sehr viele Autos unterwegs – weil Kinder von den Eltern hingebracht werden. Durch regelmäßige „Hol- und Bringdienste“ werden aber Kinder, die zu Fuß unterwegs sind, wesentlich stärker gefährdet. An einigen Orten gibt es bereits gute Erfahrungen mit der Sperrung von Straßenzügen in der halben Stunde vor Schulbeginn. „Außerdem profitieren Kinder mehrfach davon, den Schulweg zu Fuß zurückzulegen: Nicht nur deren Sicherheit sich im Straßenverkehr zu bewegen wird gefördert, sondern auch positive Auswirkungen auf die Bewegungsfreude, soziale Beziehungen und die Konzentrationsfähigkeit im Unterricht sind zu beobachten“, zählt Till die vielen Vorteile auf.

Achtung Sommerschule – Tempo 30!

Für einige Kinder beginnt die coronabedingte Sommerschule heuer bereits am 24. August. Das ist vielen AutolenkerInnen bisher jedoch kaum bis gar nicht bewusst. Die Sommerschule findet vom 24. August bis 4. September (Bgld, NÖ, W) bzw. 31. August bis 11. September (Ktn, OÖ, Sbg, Stmk, T u. Vbg) montags bis freitags, jeweils von 8:00 bis 12:00 Uhr, an ausgewählten Schulstandorten statt. „Auch wenn das verordnete „Tempo 30 an Schultagen“ sich grundsätzlich nur auf die sogenannten „regulären“ Schultage bezieht, lautet unser Tipp an die Gemeinden: Zusätzliche Aufsteller mit dem Wortlaut „Achtung Sommerschule, bitte Tempo anpassen!“. Dies würde hier das nötige Bewusstsein schaffen“, rät Spitzer.

Weitere GROSSE SCHÜTZEN KLEINE SicherheitsTIPPS für den Schulweg:

  • Planen Sie unbedingt ausreichend Zeit ein: Stress erhöht die Unfallgefahr!
  • Ausgeschlafen und gut gefrühstückt? Das ist bei Schulkindern besonders wichtig für Aufmerksamkeit und Konzentration – nicht nur in der Schule, sondern auch am Weg dorthin.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind besonders in der dunklen Jahreszeit helle oder reflektierende Kleidung und eine Schultasche mit ausreichend großen Reflektoren trägt (DIN Norm 58124)!

Wenn Ihr Kind zu Fuß geht oder mit dem Scooter fährt:

  • Auf dem Gehsteig ist es wichtig, möglichst weit innen zu gehen und nicht zu laufen, zu schubsen oder Abfangen zu spielen.
  • Erklären Sie Ihrem Kind, dass es auch vor einem Zebrastreifen erst losgehen darf, wenn alle Fahrzeuge stehen!
  • Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es an Ampeln auch auf abbiegende Fahrzeuge achten muss! Vor allem bei großen Fahrzeuge wie z.B. LKWs kann die Lenkerin / der Lenker nicht alles ringsherum sehen. Wenn man dem Fahrer / der Fahrerin nicht in die Augen schauen kann, ist große Vorsicht wichtig. Im sogenannten toten Winkel zieht der Fußgänger oder die Radfahrerin immer den Kürzeren – auch wenn man im vermeintlichen Recht des Vorranges ist.
  • Mit dem Scooter darf Ihr Kind ab 8 Jahren alleine am Gehsteig fahren. Überdenken Sie als Elternteil aber, ob die Verkehrskompetenz Ihres Kindes dafür auch schon ausreichend ist. Zudem ist hier ein Helm äußerst empfehlenswert!

Wenn Ihr Kind mit dem Fahrrad unterwegs ist:

  • Erst nach der Radfahrprüfung darf Ihr Kind alleine zur Schule fahren.
  • Bedenken Sie, dass eine bestandene Radfahrprüfung nur die Wissensbasis und nicht den Wissenszenit darstellt. Erklären Sie dem Kind immer wieder Verkehrssituationen – dies ist auch beim Mitfahren im Auto sehr gut möglich.
  • Radfahren ist eine sehr komplexe Tätigkeit. Überschätzen Sie deshalb die Fähigkeiten Ihres Kindes nicht und üben Sie immer wieder gemeinsam die richtige Beherrschung des Fahrrades!
  • Denken Sie an die Helmpflicht bis 12 Jahre (und die dringende Helmempfehlung über dieses Alter hinaus) und an regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen des Fahrrads!

Wenn Ihr Kind mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule fährt:

  • An Haltestellen nicht zu nah am Straßenrand stehen und nicht Schubsen/Drängeln.
  • Nach dem Aussteigen warten bis der Bus/die Straßenbahn weggefahren und die Sicht frei ist, bevor die Straße überquert wird.

Wenn Ihr Kind mit dem Auto zur Schule gebracht werden muss:

  • Halten Sie an einer geeigneten, sicheren Stelle in der Nähe der Schule an und lassen Sie Ihr Kind das letzte Stück zu Fuß gehen!
  • Das Kind sollte immer an der Gehsteigseite aussteigen können.

Lesen Sie hier die gesamte Presseaussendung.

Der am LKH-Univ.-Klinikum Graz angesiedelte Verein GROSSE SCHÜTZEN KLEINE arbeitet seit 1983 daran, tödliche und schwere, aber auch „unnötige“ Unfälle verhindern zu helfen. GROSSE SCHÜTZEN KLEINE betreibt intensive Unfallforschung im eigenen Forschungszentrum für Kinderunfälle und lässt die Ergebnisse direkt in Präventionsprojekte, Vorträge und Publikationen einfließen.
www.grosse-schuetzen-kleine.at
Elisabeth Fanninger

- zurück zur Übersicht