06.03.2013

Papa, hörst du mich?

Buchempfehlung zum Thema „Kinder und Trauer“

Wie spricht man als Kind mit einem Verstorbenen? Und erst recht dann, wenn er begraben und auch nicht mehr sichtbar ist?

Der kleine Held der 40seitigen Geschichte ist Polle, der gerade seinen Vater verloren hat. Sein Tod kam nicht unerwartet, sondern nach langer (Krebs-)Erkrankung, die Vater und Sohn mit Hilfe eines überlangen Stratego-Spiels zu verstehen versuchten. Jetzt ist Polle mit seinen Fragen allein, Mutter, Großmutter und älterer Bruder sind in ihrer Trauer für ihn fast unerreichbar. Polle geht davon aus, dass Papa ihn trotzdem hören kann und beginnt stumme „Dialoge“, in deren Verlauf er natürlich keine Antworten bekommt. Aber dadurch merkt er nicht nur, dass er viele Fragen in Zukunft selber lösen muss, sondern auch, dass er dies in Erinnerung an die Zeit mit Papa schaffen wird. Er kann sich gegen des Ende des Buches (etwa zeitgleich mit der Kremation des Körpers) sogar sachlich damit auseinandersetzen, dass die Beziehung nicht immer konfliktfrei war.

Die durchgehend stratego-blauroten Illustrationen zeichnen bewusst keine menschlichen Bilder und lenken nicht vom eigentlichen Problem ab. Die Spielfiguren fungieren als Stellvertreter für Krankheit und Körper, für Handlungen und Gefühle. Sie illustrieren nahezu gesichtslos Polles Emotionen, ob er sich nun gerade „geschlagen“ und allein fühlt oder einfach nur an gute Zeiten mit seinem Vater denkt.

Empfohlen wird das Buch vom Verlag ab 7 Jahren; allerdings ist es dann wohl noch nicht zum Alleinlesen, sondern eher zum begleiteten Lesen gedacht. Zwar ist der Text überschaubar, die Wortwahl meist einfach und die Sätze sind kurz; aber mit manchen Ausrücken (Kremation) und der Thematik an sich sollte man Erstleser doch nicht allein lassen. Zudem ist das illustrierende Stratego-Spiel laut Anleitung für Kinder ab 8 Jahren auch sehr komplex zu verstehen. Ein bisschen älter dürften die kleinen Leser auch nach Meinung einer BAKIP-SchülerInnengruppe sein, die die Sprache für einen Schulanfänger zwar als kindgerecht (im Sinne der Nicht-Überforderung), jedoch nicht immer als kindgemäß im Sinne der Sprachproduktion eines Kindes empfanden.

T. Bos/A. v. Haringen
Papa, hörst du mich?
Gebunden, 41 Seiten
Freies Geisteleben, Stuttgart 2013
€ 14,30
ISBN 978-3-7725-2516-2

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